NABU-PREETZ-PROBSTEI
Auf der Suche nach einer CO2 neutralen Heizung für ein Tiny-House
Wer in den letzten Jahren ein dänisches Ferienhaus gemietet hat, dem ist möglicherweise aufgefallen, dass als zusätzliche Heizung in vielen Objekten eine Wärmepumpe nachgerüstet wurde. In Skandinavien enthält manche Wochenzeitung Werbung für diese Geräte, z. B. eine Anzeige eines namhaften Herstellers: ab 1.200€, allerdings mit wenigen kW Leistung, aber bis minus 25 Grad C einsetzbar. Ist das eine vollständige Heizung für ein Ferienhaus? Zumindest mit zusätzlichem Holzofen? Wieso so billig?
Es sind ja nur Luft/Luft Wärmepumpen. Außen nehmen diese Wärme aus der Luft, innen pusten sie warme Umluft in den Raum. Ebenso wie in Motels in Kanada sowie zur Kühlung in Spanien. Heizen und kühlen können die Geräte, je nach Bedarf. Hierzulande kennt man sie zur Kühlung von Technik- oder Lagerräumen. Also sind diese kleinen Wärmepumpen millionenfach bewährt und immer öfter in dänischen und schwedischen Ferienhäusern oder in der abgebildeten Reihenhausanlage (Bild 1) anzutreffen.
In Baumärkten hierzulande gibt es ähnliche Geräte zu kaufen; hier meist für die Raumkühlung angeboten, jedoch besonders preisgünstig. Bekannte Marken erhält man eher bei einem überregionalen Händler. Wenn schon, dann sollte die Luft/Luft Wärmepupe möglichst leise und effektiv arbeiten.
Das Spitzenmodell eines Herstellers wirbt mit einem „Saisonalen Coeffizienten of Performance“ (SCOP) von sagenhaften 5,9 (Erläuterung: Eine kWh elektrisch ergibt durchschnittlich 5,9 kWh Wärme) und kostet mit Einbau durch eine erfahrene Montagefirma ca. 3.500 €, bei 3,6 kW Nennleistung, was selbst für ein kleines Objekt wenig ist, aber für die Saison und Minimalheizung ausreicht.
In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage ergibt sich ein deutlicher Energieüberschuss, übrigens inklusive Haushaltsstrom. Die Kombination der Techniken führt letztlich zum gewünschten Ergebnis eines rechnerisch CO2 -neutralen Betriebes. Ein energetisch verbessertes Objekt aus den 70ern kann dieses Ergebnis erreichen, wenn die Ausgangslage günstig ist und eine besonders effektive Wärmepumpe zum Einsatz kommt.
Für ein kleines modernes Häuschen kann die beschriebene Heizung voll ausreichen und in Verbindung mit einer ca. 3 kW Peak Photovoltaikanlage klimaneutralen Betrieb ermöglichen (Bild 2). Gegenüber Heizen mit Holz und Solarthermie kann die Wärmepumpe ein zu viel an Windstrom nutzen und dessen Nutzen vervierfachen. Bei Wasserstoffproduktion gehen ca. 30% verloren, wenn die Abwärme nicht genutzt wird.
Ein super gedämmtes Haus mit PV und WP ergibt hinsichtlich der Energiebilanz, dass sogar Wohnblocks mit 3 und mehr Stockwerken rechnerisch klimaneutral möglich sind. Erste derartige Projekte mit konsequenter Kombination von Wärmedämmung/Photovoltaik/Wärmepumpe kommen nun in die Realisierung, wie aus dem Solarserver-Newsletter vom 15.3.21 zu entnehmen war.
Ein passendes Energiesystem dazu wäre eine Kombination wie das Küstenkraftwerk Kiel und Großbatterie in Bordesholm. Ein gelungener Energieverbund mit „Sektorenkopplung“, also incl. Wärme und Mobilität, erscheint zweckmäßiger als einzelne Häuser mit möglichst hoher Eigenversorgung. Die gesetzlichen Regelungen und Verträge mit Energieversorgern müssten allerdings dazu passen.
Manfred Bach
Auch die Stadt kann zur CO²-neutralen Energgieversorgung beitragen; hier: Reihenhausanlage mit Photovoltaik(PV)
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Mit Photovoltaik und Wärmepumpe kann ein renoviertes Haus rechnerisch klimaneutral werden!
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