NABU-PREETZ-PROBSTEI
Zwei Seeadlerpaare ziehen am Lanker See Junge auf
Die Dichte an Seeadlerbruten ist im Kreis Ostholstein und Plön besonders hoch. Dies zeigt sich auch am Lanker See: zum zweiten Mal brüten zwei Paare im Abstand von weniger als 2.000 Metern! Das große Nest auf der Wahlstorfer Seite, welches vom Strandbad in Preetz aus zu sehen ist, bleibt jedoch leer. Die Adler stocken ihre Nester jeden Winter ein wenig mit neuen Stöckern auf. Die Vögel haben dabei gemerkt, dass der eine der beiden Tragäste abgebrochen ist und kein Halt für den Weiterbau mehr vorhanden war. Daraufhin haben die Adler in der Nähe einen neuen Horst gebaut, der leider nur schwer einsehbar ist und von Süden her angeflogen wird. Soweit zur Zeit der Drucklegung bekannt, haben die Adler am Charlottenwerk zwei Junge, die Wahlstorfer haben auch Nachwuchs. Mit etwas Glück lässt sich vom Weg aus mit dem Spektiv, ab 30- facher Vergrößerung erkennen, was am Nest stattfindet, zumindest bevor das Laub der Bäume voll entwickelt ist.
Etwa Mitte Juli werden die Jungadler ausfliegen und noch einige Zeit mit den Eltern das Revier bevölkern. Größere Beute teilen sich die Vögel oft mit den vorjährigen Jungvögeln, die im Gebiet weitgehend toleriert werden. Erst mit 3 bis 4 Jahren werden Seeadler geschlechtsreif und sind im Gefieder voll ausgefärbt. Zu den einzelnen Übergangskleidern gibt es auf den Seiten der Projektgruppe Seeadlerschutz genaue Erläuterungen. Zusammenfassend: der Schwanz wird zunehmend weiß, der Schnabel gelber, der Hals heller, das Auge (Iris) gelb. Die Jungtiere sind im ersten Jahr auf der Unterseite und an den Flügeln noch stark hell gefleckt, die anderen Federn eher dunkler als bei den adulten.
In den letzten Jahren blieb der Aufwärtstrend bei der Bestandsentwicklung erhalten. Inzwischen sind es in Schleswig-Holstein etwa 120 Revier-Paare plus ggf. Jungvögel. Durch die gute Entwicklung in Norddeutschland sind auch Seeadler nach Dänemark und Holland abgewandert und brüten dort erfolgreich. Als großer Greifvogel ist die Biologie des Seeadlers relativ gut erforscht, auch durch die individuelle Beringung, die inzwischen allerdings nicht mehr überall stattfindet.
Artensteckbrief: Spannweite 2 bis 2,5 m, Gewicht 4 bis 5,5 Kg wobei -wie bei Greifvögeln üblich- das Männchen ein Drittel kleiner ist (bei Falknern Terzel genannt). Nest meist in 20 bis 30m Höhe, wobei zumindest an einer Seite freier Anflug möglich sein muss. Die Anzahl der Jungvögel beträgt meist nur 1 bis 2, selten 3 pro Jahr. Brutbeginn ist meist Anfang März. Die Jungen schlüpfen nach 38 Tagen Brutdauer und brauchen etwa 12 Wochen zum flügge werden und sind nach 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif. Mit jeder Mauser wird das Gefieder und Schnabelfarbe den Adulten ähnlicher. Nahrung: hauptsächlich Fische und Wasservögel. Auch Fallwild und Wildabfälle. Daher gab es Probleme mit Bleimunition. Ein weiteres Problem haben Seeadler mit der menschlichen Zivilisation: die Vögel werden leicht Bahnopfer, wenn ein überfahrenes Wild von den Adlern an der Bahnlinie gefressen wird. (Angaben z.T. aus www.Projektgruppeseeadlerschutz.de, wo auch ausführliche Angaben zum Seeadler enthalten sind.) Die adulten Seeadler sind an dem komplett weißen Schwanz eindeutig bestimmbar (Bild 1). Im Segelflug ist die brettartige, gerade ausgestreckte Flügelhaltung typisch für Adler sowie die aufgefächerten Handschwingen. Die Gefiederfärbung ist durchweg braun, Hals und Kopf heller.
An wenigen Horsten wie hier bei Barsbek (Bild 2) gelingen gute Fotos vom Nest ohne zu stören, entsprechende Optik vorausgesetzt. Die Jungvögel sind beim Ausfliegen mit bis 6,5 Kg am schwersten. Dadurch bekommen sie praktisch für den ersten Winter einen kleinen Vorrat mit; größere Schwingenfedern ermöglichen normalen Flug. Beides ist notwendig, da die Tiere das Jagen erst üben müssen. In der Nähe des Nestes versorgen die Altvögel die Jungen noch ein paar Wochen mit Futter.
Manfred Bach
Ausgewachsener Seeadler mit typisch weißem Schwanz und meist brauner Gefiederfärbung (Foto S.Höhnl)
Ausgewachsener Seeadler mit typisch weißem Schwanz und meist brauner Gefiederfärbung (Foto S.Höhnl)
Die Altvögel versorgen ihre Jungen bis sie den normalen Flug eingeübt haben (Foto S.Höhnl)
Die Altvögel versorgen ihre Jungen bis sie den normalen Flug eingeübt haben (Foto S.Höhnl)