NABU-PREETZ-PROBSTEI
Braunkehlchen und Schwarzkehlchen – ornithologische Raritäten
Braunkehlchen und Schwarzkehlchen – ornithologische Raritäten
Braunkehlchen und Schwarzkehlchen sind zwei nahe Verwandte unseres Rotkehlchens, das aktuell zum Vogel des Jahres gekürt wurde und das regelmäßig in unseren Gärten und Vorgärten brütet. Dort findet man Braun- und Schwarzkehlchen nicht. Beide haben besondere Ansprüche an ihren Lebensraum und besiedeln offenes Gelände. Ihre Bestandszahlen sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen und beide Vögel gehören heute zu den ornithologischen Raritäten. Das Braunkehlchen ist ein Charaktervogel extensiv bewirtschafteter Wiesen und Weiden. Es lebt auf gehölzarmen Brachflächen und strukturreichen Feldern mit einzelnen Büschen und Bäumen und auch den Rändern offener Niedermoore. Das Schwarzkehlchen bevorzugt eher trockene und buschige Bereiche auf Wiesen, offenen Brachen, aber besonders auch Heideflächen und Randbereiche von Mooren.
Beides sind Zugvögel, die uns im Winter verlassen und in Afrika südlich der Sahara überwintern. Das Braunkehlchen kommt erst im Laufe des Aprils zurück und beginnt im Mai mit der ersten Brut, das Schwarzkehlchen ist meist früher wieder da und kann schon im März mit der Brut beginnen. Beide brüten bis in den August hinein und bauen ihre Nester meist gut versteckt am Boden, besonders im Schutz einer größeren Staude oder eines Busches. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und deren Larven, Spinnen, kleinen Schnecken und Würmern, aber auch Beeren.
In der offenen Landschaft, in der sie leben, nehmen sie Feinde und auch den Menschen schon frühzeitig wahr und man benötigt in der Regel ein Fernglas, um diese scheuen Vögel zu Gesicht zu bekommen. Wenn sie auf erhöhter Warte, auf Pfosten, hohen Halmen oder Stauden sitzen, kann man sie beim Gesang oder nach Beute Ausschau haltend gut beobachten. Im Preetzer Umland kann man sie mit etwas Glück zu Gesicht bekommen, auch wenn sie hier kein gesichertes Vorkommen haben. Da sie auf dem Boden brüten, können Gelege und Nestlinge leicht Beute von Katzen und Wieseln werden. Aber auch Ratten, Füchse sowie Rabenvögel und Greifvögel sind natürliche Feinde und freilaufende Hunde können das Brutgeschäft ebenfalls empfindlich stören.
Hauptursache für den starken Rückgang der Bestände ist aber die großflächige Vernichtung ihres Lebensraumes durch den Menschen. Vor allem das Braunkehlchen ist in seinem Bestand stark gefährdet und verdient besonderen Schutz. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen hat es keine Chance seine Brut erfolgreich aufzuziehen, da gerade während seiner Brutzeit in den Monaten Mai bis Juli die Wiesen und Weiden mehrfach gemäht werden. Dadurch ist der Bruterfolg sehr gering. Selbst gegen Ende Juni, wenn die erste Mahd auf teilweise geschützten Flächen erfolgt, können flugunfähige Jungvögel im Nest Opfer der Mahd werden. Eine Mahd nicht vor Mitte Juli würde hier schon helfen.
Um die Ansiedlung des Braunkehlchens zu fördern, ist es hilfreich, geeignete Wiesenflächen im ersten Jahr nicht zu mähen und im nächsten Jahr erst nach Ende der Brutzeit im August. Besser wäre es noch, Teilbereiche oder größere Randstreifen nicht jährlich zu mähen. Eine echte Strukturbereicherung würde erreicht, wenn diese Streifen oder Bereiche nur alle 3-4 Jahre gemäht werden und einzelne hochwachsende Stauden neben Zaunpfählen als Ansitzwarten belassen werden.
Johannes Imhoff
Braunkehlchen auf Holzbalken mit Jungvogel (nicht im Bild) in der Nähe (Photo: Johannes Imhoff)
 Braunkehlchen auf Holzbalken mit Jungvogel (nicht im Bild) in der Nähe (Photo: Johannes Imhoff)
Singendes Schwarzkehlchen (Photo: Johannes Imhoff)
Singendes Schwarzkehlchen (Photo: Johannes Imhoff)