NABU-PREETZ-PROBSTEI
Auswertung der Artenschutzmaßnahmen für Turmfalken und Schleiereulen
Auswertung der Artenschutzmaßnahmen für Turmfalken und Schleiereulen
Der Turmfalke (Photo 1) ist ein als sogenannter Teilzieher ganzjährig in unseren Breiten zu beobachtender Greifvogel. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca. 200 g ähnelt er einer schlanken Taube. Die Körperlänge liegt zwischen 30 und 38 cm; die Spannweite beträgt zwischen 70 und 80 cm. Ein Erkennungszeichen ist auch das "Rütteln", wobei er in der Luft scheinbar auf der Stelle stehend Ausschau nach Beute hält. Zur vorwiegenden Beute zählen Kleinsäuger wie die Feldmaus. Um diese erreichen zu können, müssen die umliegenden Wiesen und Ackerflächen relativ kurz und schütter sein.
Turmfalken bauen selbst kein Nest, sondern beziehen alte bzw. verlassene Nester von Krähenvögeln. In unserer Region ist dies jedoch eher die Ausnahme. Als Vogel der offenen Kulturlandschaft (Kulturfolger) werden hier Brutmöglichkeiten an oder in Gebäuden bevorzugt. Da aber auch diese zunehmend seltener zu finden sind, haben ehrenamtliche Mitarbeiter des NABU im Kreis Plön bereits in den 1970er Jahren damit begonnen, entsprechende Nistkästen aufzuhängen. Diese sind an Gebäuden, Scheunen oder Niederspannungsmasten angebracht.
Auch an Kirchtürmen wurden Kästen installiert. So auch bereits im Jahre 1998 an der Preetzer Stadtkirche. In diesem Kasten haben Turmfalken seitdem durchgehend - bis auf ein Jahr - Jungvögel ausgebrütet und groß gezogen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Nistkästen bereits im ersten Jahr ihres Anbringens angenommen werden. Dies bedeutet, dass ein entsprechender Bedarf vor-handen ist.
Aktuell betreut der NABU im Kreisgebiet rund 40 Turmfalkenkästen, die auch zu über 80 % jährlich erfolgreich belegt sind. Nach den seit 25 Jahren bestehenden Kontrollauswertungen beträgt die durchschnittliche Anzahl der ausgeflogenen Jungvögel zwischen 3,5 und 4 Jungen pro Brutpaar.
Neben den vorbeschriebenen speziellen Turmfalkenkästen werden auch zunehmend Schleiereu-lenkästen von den Falken angenommen. Diese Kästen hängen grundsätzlich auf den Innenseiten der Scheunen und anderer Gebäude. Eine Konkurrenz zur deutlich selteneren Schleiereule entsteht hierdurch nicht. Wenn diese Eulen einen Nistkasten für sich in Anspruch nehmen wollen, setzen sie sich gegenüber den Turmfalken regelmäßig durch.
In den vom NABU betreuten 80 Schleiereulenkästen hat sich die Belegung durch Turmfalken in den letzten zehn Jahren auf bis zu mehr als einem Drittel gesteigert.

Wie im vorhergehenden Absatz angedeutet, setzt sich der NABU auch für den Erhalt der Schleiereulen im Kreisgebiet Plön ein. Auch diese Vogelart ist mittlerweile als Kulturfolger auf Brutmöglichkeiten in Gebäuden angewiesen. Veränderungen in der Nutzung und Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen wirken sich bei dieser Art noch dramatischer aus. Stichwortartig sei hier nur auf den Umbruch von Grünlandflächen und die "Vermaisung" der Landschaft hingewiesen.
Auch für die Schleiereule liegen mittlerweile langfristige Bestandsbeobachtungen vor. Nach einem Höchststand im Jahr 2001 mit 55 Bruten und 210 Jungvögeln ging der Bestand kontinuierlich abwärts. Im Jahr 2013 konnte in den NABU-Kästen keine Brut festgestellt werden. In den letzten Jahren ist der Brutbestand wieder etwas angestiegen - so wurden in 2020 15 Bruten mit 56 Jungvögeln gezählt (Photo 2).
Da die Kontrolle und Unterhaltung einen erheblichen Zeitaufwand erfordert, ist aktuell eine Erhöhung der vom NABU insgesamt betreuten rund 120 Turmfalken- und Schleiereulenkästen nicht geplant. Der NABU ist auf der Suche nach handwerklich begabten Naturfreunden (vielleicht auch ein Klettermaxe dabei?!), denen sich ein interessantes Aufgabenfeld bietet. Ornithologische Fachkenntnisse sind hierbei nicht zwingend erforderlich. Kontaktdaten können unter www.NABU-Preetz-Probstei.de nachgelesen werden.
Text zu den Photos:
Photo 1: Porträt eines Turmfalken (Photo: M. Heng)
Photo 2: Junge Schleiereulen im Nest (Photo: J. Schidlowski)

Jens Schidlowski, Lilienthal
Der Turmfalke
Der Turmfalke
Jungvögel Schleiereule
Jungvögel Schleiereule
Vögel am Wasser, Eisvogel und Wasseramsel
Eisvogel und Wasseramsel sind beide hervorragend an das Wasser als Lebensraum angepasst.
Der Eisvogel (Photo: Johannes Imhoff) hat ein wunderschön farbig glitzerndes Gefieder und man kann ihn als „schillernden Pfeil“ gut erkennen, wenn er dicht über die Wasseroberfläche fliegt. Er ist das ganze Jahr über bei uns und regelmäßig am Kirchsee und der Schwentine zu beobachten, wenn er dort auf Fischfang geht. Da er scheu ist, fliegt er allerdings meist von dannen bevor wir ihn zu Gesicht bekommen. Vor allem kleine Fische aber auch Insekten sind seine Hauptnahrung und er sitzt auf ins Wasser ragenden Ästen, um die Beute zu erspähen, die er dann im Sturzflug ins Wasser fängt. Dabei taucht er voll ins Wasser ein. Er braucht klares und sauberes Wasser um seine Beute zu erspähen. Daher sind die Bestandszahlen deutlich zurückgegangen, bevor es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu umfassenden Maßnahmen zur Reinhaltung unserer Flüsse kam. Heute sind die Bestände niedrig aber stabil, etwa 200 Brutpaare gibt es in Schleswig-Holstein. Sein Nest baut er in selbst gegrabenen Höhlen in Steilwänden in der Regel direkt am Flussufer. Daher haben auch umfangreiche „Flussregulierungen“ im letzten Jahrhundert dem Eisvogel stark zugesetzt und ihm vielfach die Möglichkeit zum Bau von Bruthöhlen genommen. Er brütet 2-3mal im Jahr mit Gelegen von meist 6-7 Eier. Er ist bekannt für sogenannte Schachtelbruten: während das Männchen noch die Jungen aus der einen Brut füttert und versorgt, brütet das Weibchen schon auf den Eiern der nächsten. Auch wenn mancher Eisvogel bis zu 10 Jahre alt werden kann, so sterben doch jedes Jahr über 70%. Daher ist auch eine hohe Vermehrungsrate nötig, damit die Art überlebt. Der Eisvogel braucht nach wie vor unseren Schutz. Er war zweimal „Vogel des Jahres“, 1973 und 2009.

Die Wasseramsel (Photo: Johannes Imhoff) ist eine Attraktion bei uns, denn in Schleswig-Holstein ist sie Wintergast aus Skandinavien und nur wenige Exemplare überwintern hier. Da sie recht standorttreu ist, kann man sie in der Schwentine bei Preetz und Raisdorf in den Wintermonaten regelmäßig beobachten, bevor sie im März wieder nach Norden in die Brutgebiete zieht. Nur weiter südlich in den Flüssen der Mittelgebirge bis in die Alpen ist sie auch als Brutvogel zu Hause und das ganze Jahr über präsent. Sie baut ihr Nest am Wasser, oft auch auf freien Balken unter Brücken, legt 4-6 Eier und hat zwei Bruten im Jahr. Paddler und Wasserwanderer können sie dort regelmäßig beobachten und treiben sie gewissermaßen im Fluss vor sich her. Auch die Wasseramsel ist auf fließendes klares Wasser als Lebensraum angewiesen. Sie ernährt sich von kleinen Tieren, wie Insekten und kleinen Fischchen, die sie im Wasser fängt. Im flachen Wasser sitzt sie oft auf Beute Ausschau haltend auf Steinen. Auch sie taucht beim Beutefang ins Wasser und kann dort sogar kurze Strecken schwimmen. Sie ist mit dem Zaunkönig verwandt und der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann.

Johannes Imhoff
Eisvogel am Ufer der Schwentine in Preetz
 Eisvogel am Ufer der Schwentine in Preetz
Wasseramsel auf Futtersuche in der Schwentine bei Raisdorf
Wasseramsel auf Futtersuche in der Schwentine bei Raisdorf