NABU-PREETZ-PROBSTEI
Schwalben in Not
Der Mensch ist den Schwalben seit je her besonders zugetan. Sie werden in Gedichten erwähnt, in Liedern besungen. Schwalben gelten als Glücksbringer, Frühlingsboten, und in der Antike galten sie als Wetterpropheten. Eine „Bauernweisheit“ sagt: „Wenn die Schwalben niedrig fliegen, wirst Du Regenwetter kriegen! Fliegen Schwalben in den Höhn, kommt ein Wetter, das ist schön!“ Aber können Schwalben tatsächlich Wetterveränderungen vorhersehen? Nein. Schwalben sind reine Insektenfresser (Fliegen, kleine Käfer, Mücken), die sie im Flug fangen. 1,2 kg Insekten brauchen sie für die Aufzucht einer Brut von 4 – 6 Jungen. Dies entspricht grob geschätzt 12000 Insekten. Bei Kälte und Regen fliegen die Insekten tiefer, mehr in Bodennähe. Die Schwalben reagieren auf das Nahrungsangebot und fliegen nun auch tiefer. Umgekehrt ist es bei Sonnenschein und Wärme. Übrigens trinken die Schwalben auch im Flug.
Die Schwalben haben es nicht leicht in der heutigen Zeit. Es fehlen offene Ställe mit Vieh, wo sie Insekten fangen und Nester bauen können. Es mangelt an unversiegelten, feuchten, lehmigen Böden für den Nestbau. Eine Mehlschwalbe baut z.B. aus 700 – 1500 Lehmkügelchen (je nach Größe) ihr Nest. An vielen modernen Fassaden haftet das Nistmaterial nicht mehr und fällt ab. Hier würden spezielle Nisthilfen für Rauch- und Mehlschwalben helfen. Leider scheuen sich viele Menschen Nester an ihren Häusern zu belassen oder Nisthilfen anzubringen, weil der Kot den Boden oder die Wände beschmutzen kann. Hier würde ein einfaches Brett, ca. 40 cm unter den Nestern angebracht, helfen. Doch Not macht erfinderisch. An diesem Wellblechdach eines Fahrzeugunterstandes hält das Nistmaterial (Foto).

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es nicht erlaubt, Schwalbennester abzuschlagen!

Feinde der Schwalben sind der Uhu, Falke, Sperber und der Mensch. Immer noch werden in südlichen Ländern und Afrika Schwalben und andere Singvögel mit Netzen und Leimruten gefangen, um sie zu verspeisen.

Steckbrief: Rauch- und Mehlschwalben, die zu den Sperlingsvögeln gehören, sind Zugvögel.
Die Rauchschwalbe (Foto) ist 17 – 19 cm lang und hat eine Flügelspannbreite von 32 – 35 cm. Ihr Gewicht beträgt 16 – 25 g. Charakteristisch ist ihre rotbraun gefärbte Kehle und ihr tief gegabelter Schwanz mit 2 langen Schwanzspießen. Ihre Nester sind schalenförmig und offen und werden in Gebäuden angebracht. Sie ist als gefährdet eingestuft.
Die Mehlschwalbe ist mit ca. 12,5 cm kleiner. Sie ist 15 – 21 g schwer und besitzt eine Flügelspannbreite von 26 – 29 cm. Ihre Kehle ist weiß und der Schwanz kürzer gegabelt. Ihr fast geschlossenes Nest wird außen an Gebäuden angebracht. Ihr Bestand geht stark zurück.
Frauke Anders-Gehrke
  • Rauchschwalbe
    Rauchschwalbe
  • Schwalbennest
    Schwalbennest
Naturschutz am Lanker See: Rechtlicher Status
Der Lanker See bei Preetz ist ein EU-Vogelschutzgebiet im Rahmen des europäischen Netzwerks Natura 2000. Das bedeutet, dass es sich bei dem See und seinen Randregionen um einen Naturraum handelt, in dem in besonderem Maße Störungen der Natur und besonders der Vogelwelt verboten sind. Das bedeutet auch, dass ein Betreten der Inseln im See ganzjährig nicht erlaubt ist. Das gilt nicht nur für die Brutsaison der verschiedenen Vögel, die dort brüten und rasten.
Der westliche Teil des Lanker Sees innerhalb des Vogelschutzgebietes ist noch besonders geschützt. Die höchste deutsche Schutzkategorie ist hier der Status als Naturschutzgebiet (NSG). Eingriffe aller Art sind verboten oder bedürfen einer staatlichen Genehmigung. Das ist in einer Schutzgebietsverordnung rechtlich festgelegt.
Die Freizeitnutzung des Sees, insbesondere das Befahren mit Booten ist reglementiert. Informationstafeln gibt es an der Anlegestelle Wahlstorf, am Freibad Lanker See und beim Bootsverleih am Kirchsee. Sowieso sind ganz allgemein Störungen der Tierwelt nach §39 Bundesnaturschutzgesetz untersagt.
Harald Christiansen