NABU-PREETZ-PROBSTEI
Schon vergessen? - Blei als Umweltgift
Die Verwendung von Blei und Bleiverbindungen ist ein gutes Beispiel, wie der Mensch mit sich und der Umwelt über lange Jahre allzu sorglos umgegangen ist. Ungeheure Mengen an Blei wurden besonders im vergangenen Jahrhundert weitflächig über den ganzen Globus verteilt. Die Spuren werden sich noch über Jahrhunderte wiederfinden lassen.
Blei ist ein für Mensch und Tiere giftiges Schwermetall. Es schädigt das Nervensystem, beeinträchtigt die Blutbildung, führt zu Magen-Darm-Beschwerden und verursacht Nierenschäden. In hohen Dosen (>5 g bei erwachsenen Menschen) verursacht es schwere akute Vergiftungen, die zu Koma und Tod durch Kreislaufversagen führen können. Selbst in geringen Dosen (>1 mg pro Tag) können Blei oder Bleiverbindungen, regelmäßig über die Nahrung aufgenommen, zu chronischer Vergiftung führen, da es nur sehr langsam ausgeschieden wird.
Seit alters her ist Blei in zahlreichen Anwendungen enthalten und gelangte dadurch in Nahrung und Umwelt. Über viele Jahrzehnte, bis in die 1970er Jahre, wurden bei uns Bleirohre für Wasserleitungen verwendet, aus denen geringe Bleimengen ins Trinkwasser gelangten. Blei ist auch in bestimmten Tonglasuren enthalten, die besonders in Trinkgefäßen problematisch sind, da es daraus durch saure Fruchtsäfte herausgelöst wird. Maler vergifteten sich durch Verwendung von Bleiweiß als Farbe, manch einer starb daran.
Flächendeckend und weltweit wurde Bleihydrogenarsenat als Pflanzenschutzmittel seit den 1890er Jahren, insbesondere gegen den Kartoffelkäfer, den Apfelwickler und im Weinbau eingesetzt. In Deutschland wurde seine Verwendung im Weinbau 1928 untersagt, im Obstbau wurde es noch bis etwa 1960 verwendet. Die Gründe für den Verzicht in der Schädlingsbekämpfung sind nur zum Teil darauf zurückzuführen, dass man seine Giftigkeit erkannt und daraus Konsequenzen gezogen hat. Vielmehr waren Resistenzen, besonders bei Apfelwickler Populationen, aufgetreten und es gab ein neues äußerst wirksames Mittel, das Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT).
Als Zusatz zum Benzin war Bleitetraethyl Hauptursache für die globale Bleibelastung der Umwelt im vergangenen Jahrhundert. Die kommerzielle Nutzung als Antiklopfmittel im Benzin begann in den USA 1921. Obwohl man die akute Toxizität von Bleitetraethyl, durch Todesfälle im Forscherteam des Entdeckers, sehr früh erkannte und trotz der bekannten Giftigkeit von Bleiverbindungen generell für Mensch, Tier und Umwelt, wurde es über viele Jahrzehnte dem Benzin beigemischt und in Tausenden Tonnenmengen großflächig in der Umwelt verteilt. Alleine der Rhein führte damals etwa 2000 Tonnen Blei jährlich ins Meer. In Deutschland wurde verbleites Normalbenzin 1988 verboten, verbleites Superbenzin 1996. Endgültig Schluss mit dem verbleiten Benzin in Europa war erst im Jahr 2000.
Kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt ist die Verwendung von Blei in der Schrotmunition für die Jagd. Durch Fraß von angeschossenem Wild war es aber immer wieder dazu gekommen, dass Greifvögel verendeten. Auch wenn es Verbote und Einschränkungen in der Verwendung von Bleischrot gibt, so wird er weiterhin verwendet. Lokale Schwerpunkte sind heute Schießplätze, an denen noch mit Bleischrot geschossen wird. Da hier über die Jahre Tonnenmengen an Blei in Erdreich und Gewässer gelangen, können sie lokal zu einem gewaltigen Giftpotential akkumulieren.
Auch wenn die extreme Umweltbelastung durch Blei und Bleiverbindungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist, so verschwindet es aus der Umwelt nur langsam. So raten Experten in Nordamerika noch immer in bestimmten Regionen, Kinder aufgrund der Bleibelastung nicht draußen spielen zu lassen. Die WHO weist darauf hin, dass die Bleibelastung nach wie vor ein Gesundheitsproblem darstellt und es 2013 aufgrund von Bleibelastung weltweit schätzungsweise zu über 850 000 Todesfällen kam.
Johannes F. Imhoff